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2008 Walter Sittler spricht Erich Kästner


Die Presse schrieb:

"Seine Biografie hat er schon selbst besorgt: In kleinen, sorgfältig ausgewählten Stücken von ihm und über ihn ließ der Schauspieler Walter Sittler im Gewölbekeller von Schloss Liebenstein das Leben des Literaten Erich Kästner an rund 170 Zuhörern vorüberziehen. Innerhalb der Veranstaltungsreihe „Vorhang auf“ der Kulturregion Heilbronn hatte die Ortsbücherei diesen literarisch-musikalischen Abend angeboten.

Ihn kennt jedes Kind. „Das fliegende Klassenzimmer, „Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“ oder „Das doppelte Lottchen“ kennen auch heutige in Ehren Ergraute aus ihrer Kindheit von der Kinoleinwand. Aber kennen sie auch den scharfen Beobachter des politischen und des alltäglichen Geschehens, den unbestechlichen Moralisten, den Pazifisten und das Muttersöhnchen? Alle diese Facetten des Mannes, der Journalist, Kabarettist, Romancier und Drehbuchautor in einem war, stellte einer beliebtesten deutschen Fernseh-Schauspieler in seiner ruhigen unprätentiösen Art, auf einem Barhocker sitzend, meist nur von hinten in rotes Licht getaucht, seinem Publikum vor, begleitet von einer vierköpfigen Combo mit Swing vom Feinsten. Erich Kästner, der ja nicht ganz uneitel war, hätte seine Freude daran gehabt.

Was Walter Sittler ausgesucht hatte, führte durch das Leben des 1899 in Dresden Geborenen, von der Kaiserzeit mit seinen Eltern in der Königsbrücker Straße und der „große Zeit“ der Weimarer Republik, die schlimme Zeit des Dritten Reiches, da seine Bücher – in seiner Gegenwart – öffentlich verbrannt wurden und er Veröffentlichungsverbot hatte und dennoch im Auftrag der Reichsfilmkammer das Drehbuch zu „Münchhausen“ schrieb, bis in die Zeit der Bundesrepublik, in der sich Kästner gegen Atomwaffen und den Vietnamkrieg aussprach.

Er, der zeit seines Lebens immer in Kind geblieben war – besonders ein Kind seiner Mutter Ida – fordert in seiner Ansprache zum Schulbeginn die Jungen auf: „Lasst euch die Kindheit nicht austreiben“, er erinnert sich it Zorn an den Sergeanten Waurich, der ihn zum Ende der Kaiserzeit in der Kaserne in der Dresdner Albertstadt gedrillt und getriezt hat und der der Einzige ist, den der absolut Friedfertige umbringen würde.

Nach dem Reichtagsbrand 1933 versucht Kästner, manchen seiner auswanderungswilligen Freunde und Kollegen zum Bleiben zu bewegen, um mit ihnen gemeinsam gegen die braune Brut zu streiten und muss nach Kriegsende und muss nach Kriegsende in seiner Jugendzeitschrift „Pinguin“ erkennen, dass sie wohl alle tot wären, wären sie seinem Rat gefolgt. Seitdem verlangt er nur noch von einem Heroismus: von sich selbst. In „Notabene 45“ zieht er das Fazit der zwölf Jahre Tausendjährigen Reiches: „Das Dritte Reich bringt sich um, doch die Leiche heißt Deutschland“.

So zeichnete Walter Sittler das Leben eines Mannes in seinem Werk, der mitten im Ablauf eines Teils deutscher Geschichte doch über ihr geschwebt hattem obwohl er mitten drin war. Warmer Beifall belohnte den Mann auf dem Hocker und seine vier Musiker für zwei Stunden heiter-besinnlicher Unterhaltung über die nicht so bekannten Seiten eines Literaten, der allen geläufig ist."

(Quelle: Neckarwestheimer Gemeindeblatt, Juni 2008)


2008 Johann Martin Enderle <

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