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Der Unsicherheit der Freiheit entgegen

Peter Stamm liest in der
Medienwelt aus neuem Roman
Von Laura Ettle
Einfach gehen!
Sich nicht rechtfertigen müssen,
nicht vor sich selbst und schon gar
nicht vor anderen und einfach alles
hinschmeißen! Wem ist der Gedanke
nicht schon einmal gekommen?
Vielleicht erklärt sich so der große
Andrang: Mit 60 Gästen ist die Medienwelt
in Neckarwestheim voll besetzt.
Leute jeden Alters sind gekommen
um Peter Stamm aus seinem
neuen Roman „Weit über das
Land“ lesen zu hören. Er spricht mit
ruhiger, angenehmer Stimme.
Der Roman erzählt die Geschichte
eines Mannes, der ohne Vorwarnung
seine Familie verlässt und auf
Wanderschaft geht. Vorangestellt ist
dem Text ein Zitat des Schriftstellers
Markus Werner: „Wenn wir uns
trennen, bleiben wir uns.“
Lebenswelt Wir lernen die Eheleute
Thomas und Astrid kennen, die
gerade aus dem Sommerurlaub zurückgekommen
sind. Sie werden als
fast zu normales Ehepaar eingeführt:
Thomas hat einen Job im Büro
mit Sekretärin, Astrid ist Hausfrau.
Haus, Garten, Kinder – das ganze
Programm. Dabei stellt der auktoriale
Erzähler die Figuren nicht im
eigentlichen Sinne vor. Was das Auditorium
bekommt, sind Handlungen
und Gedanken der Hauptfigur,
aus der sich deren Lebenswelt ableiten
lässt. So setzt sich das Publikum
die Realität des Romans aus einzelnen
Puzzlestücken zusammen.
Wir kommen Thomas näher, wie
er in seinem Garten auf der Terrasse
sitzt und Wein trinkt. Seine Frau
räumt im Haus auf. Noch während
die Protagonisten vorgestellt werden
– Mann und Frau in klassischer
Gender-Konformität, Mittelstand,
etwas öde – läuft die Handlung
schon an: Das Vertraute beginnt, in
Thomas starkes Befremden hervorzurufen.
Er stellt sich vor, wie seine
Frau im Haus mit den Kindern
spricht, so „als sei alles in Ordnung,
als würde alles immer so weiter gehen“.
Und dann steht er einfach auf
und geht los, nur mit dem, was er gerade
zufällig am Körper trägt.
Enge Er tauscht die Enge seines
bürgerlichen Lebens ein gegen die
Unsicherheit der Freiheit. Dabei hat
er aber natürlich zufällig sein Portemonnaie
dabei – wer möchte sich
schon Freiheit ohne Geld ausmalen.
Nun folgt die Erzählung abwechselnd
Thomas und der zurückgelassenen
Astrid – wir erfahren, was die
beiden tun, denken und fühlen. Dabei
wird aber bei Astrid nie ganz
klar, ob wir wirklich ihre Sicht bekommen
oder das, was sich Thomas
vorstellt, das sie tut, fühlt und denkt.
Astrid bleibt zurück und trauert,
während Thomas in die Welt geht.
Astrid verkörpert die Grenzen, die
Enge der bürgerlichen Gesellschaft,
Thomas bricht sie.
Im Anschluss an die Lesung
bleibt Peter Stamm für eine Fragerunde.
Das Publikum ist interessiert
und versucht, sich den Charakteren
zu nähern. Thesen oder Theorien,
die Stamm nicht zusagen, tut er mit
Hilfe des leserzentrierten Ansatzes
gekonnt ab: „Wenn du das so sehen
willst, ist das ok, ich sage nicht, dass
das falsch ist.“ Schließlich lese man
ja primär sich selbst. Als jedoch ein
Gast dem Protagonisten Gefühllosigkeit
vorwirft, nicht ganz abwegig,
weist Stamm das zurück.
Foto: Ettle
©HEILBRONNER STIMME | Schozach




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